Lernen vom digitalsten Dorf der Welt | Kreis Warendorf
Lernen vom digitalsten Dorf der Welt
Smarte Ideen für die Zukunftsdörfer im Kreis Warendorf
Auf den Spuren des digitalsten Dorfes der Welt wandelten die Teilnehmer des Kreiswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ bei ihrem jährlichen Netzwerktreffen im Warendorfer Kreishaus. Gastreferent Ulrich Ahle, ehrenamtlicher Digitalisierungsverantwortlicher aus dem ostwestfälischen Etteln, zeigte praxisnah, wie moderne Technologien die Dorfgemeinschaft nachhaltig stärken und die Daseinsvorsorge sichern können.
Michael Ottmann, Dezernent für Bauen, Planung und Umwelt des Kreises Warendorf, betonte zur Begrüßung die strategische Bedeutung: „Digitalisierung im ländlichen Raum ist kein Trendthema und kein Selbstzweck, sondern ein handfestes Werkzeug zur Sicherung der Daseinsvorsorge. Herausforderungen wie der demografische Wandel, Mobilität oder Nahversorgung verlangen nach pragmatischen Lösungen vor Ort. Etteln beweist, dass dieser Wandel auch auf kleinster Ebene technisch machbar und gesellschaftlich tragfähig ist.“
Wie das gelingt, veranschaulichte Ahle am Beispiel des 1.750-Einwohner-Ortsteils, der zur Gemeinde Borchen gehört: Einst von Schulschließung bedroht, packte die Dorfgemeinschaft ihre Zukunft selbst an. Mit dem Mut zu unkonventionellen Lösungen setzte sich Etteln beim internationalen IEEE Smart Cities Award 2024 sogar gegen globale Metropolen wie Hongkong mit 7,5 Millionen Einwohnern durch.
Heute stützt ein „digitaler Dorfzwilling“ das dörfliche Zusammenleben: Fast die Hälfte der Einwohner Ettelns nutzt die gemeinsame Plattform-App, ein E-Dorfauto und Lastenräder sichern die Mobilität, und telemedizinisch ausgestattete Versorgungsassistentinnen (DIHVA) unterstützen die hausärztliche Betreuung. Bei der Energie erzeugt Etteln rechnerisch das 34-Fache seines Strombedarfs – inklusive Rechenzentrum im Windrad und dynamischen Bürgerstromtarifen.
Das Erfolgsrezept brachte Ahle auf den Punkt: „Erfolgreiche Digitalisierung beginnt nicht mit Technik, sondern in den Köpfen und Herzen der Menschen. Wir haben nicht auf langwierige Förderverfahren gewartet, sondern den Kabelpflug selbst in Gang gesetzt. Es braucht Mut zum Machen und das Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft.“ Die rege Frage- und Diskussionsrunde zwischen Gastreferent und anwesenden Kreisdörfern offenbarte das große Interesse an smarten Lösungen, wobei auch immer die Übertragbarkeit auf das eigene Dorf im Fokus stand.
Damit die Städte und Gemeinden im Kreis Warendorf von der Digitalisierung profitieren, setzt der Kreis auf Vernetzung: Über die in allen 13 Kommunen beschlossene Smart-Region-Strategie treibt ein interkommunaler Lenkungskreis gemeinsame Lösungen voran. Daniel Höing, Ansprechpartner für die Smart Region beim Kreis Warendorf und zuständig für die Kreisentwicklung: „Niemand muss das Rad alleine neu erfinden. Wenn Kommunen und Kreis Synergien konsequent nutzen und gemeinsam planen, profitieren bei der digitalen Transformation am Ende alle Beteiligten.“
Der nächste Kreiswettbewerb im kommenden Jahr bietet den Dörfern nach 2024 wieder die ideale Bühne, um das eigene Dorf weiterzuentwickeln, neue Mitstreiter zu gewinnen und voneinander zu profitieren.
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