Kiebitz-Film des Michael-Otto-Instituts im NABU zum Projekt "Sympathieträger Kiebitz"

Kiebitzschutz im Kreis Warendorf

Der Kiebitz im Kreis Warendorf

Der Kiebitz ist als typischer Charaktervogel aus der westfälischen Agrarlandschaft nicht wegzudenken. Aufgrund von anhaltenden Bestandsrückgängen sind die Kiebitze im Kreis Warendorf gefährdet.

Der Brutbestand hat sich im Vergleich von 2003 (1400 BP) zu 2012 um 50 % auf 700 BP verringert. 2017 brüteten nur noch 575 Kiebitzpaare im Kreisgebiet. Das ist in den letzten 5 Jahren ein weiterer Rückgang um 20 %. Wenn sich die Bestände nicht bald erholen, wird der Kiebitz wohl bald in unserer Agrarlandschaft ausgestorben sein.

 

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf führt gemeinsam mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Warendorf-Münster-Gütersloh sowie der NABU-Naturschutzstation Münsterland ein Schutzprojekt durch, um die Bestände zu stärken und zu stabilisieren.

 

Ziel des Gemeinschaftsprojektes ist es, mit einem Bündel von Einzelmaßnahmen eine Trendwende beim Kiebitzrückgang zu erreichen. Durch Information der Flächenbewirtschafter, Nestschutz, der Optimierung und Anlage von Nahrungsbiotopen und weitere Maßnahmen soll dem negativen Trend entgegengewirkt werden. 

 

 

Der Kiebitz – Kulturfolger auf Ackerflächen

Der Kiebitz ist ein etwa taubengroßer, schwarz-weiß gefärbter, metallisch glänzender Vogel mit langer Federholle. Zur Paarungszeit kann man die akrobatischen Balzflüge beobachten, die von arttypischen „kie-witt“-Rufen begleitet werden.

Als typischer Bewohner offener Grünlandbereiche bevorzugt der Kiebitz als Brutplatz vegetationsarme bzw. -freie Bodenstellen sowie Bereiche mit niedrigem Bewuchs. Aufgrund des geringen Angebotes an geeigneten Grünlandflächen besiedelt er mittlerweile verstärkt Ackerflächen. Etwa 80 % der Kiebitzbrutplätze in NRW befinden sich auf Äckern, bevorzugt auf Sommerkulturen wie Mais.

Der Bruterfolg ist u.a. stark abhängig von der Intensität und dem zeitlichen Ablauf der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung sowie von der Verfügbarkeit geeigneter Nahrungs- und Rückzugsräume für die Jungvögel.

 

 

Maßnahmen um die Bestände zu stärken

Durch entsprechende Gelegeschutzmaßnahmen, die Anlage von geeigneten Nahrungsflächen und  die Durchführung weiterer Schutzmaßnahmen haben Landwirte die Möglichkeit den Kiebitz zu unterstützen.

Um den Bruterfolg zu erhöhen ist die Markierung von Nestern sinnvoll. Hierzu können etwa fünf Meter vor und hinter dem Nest Markierungsstöcke in den Boden gesteckt und so das jeweilige Nest umfahren werden. Auch das Umsetzten der Nestmulde mit Nistmaterial und Eiern um wenige Meter ist möglich. So können Nester beispielsweise aus der Fahrspur heraus gesetzt bzw. in angrenzende, bereits bearbeitete Bereiche umgesetzt werden.

Die Markierung von Nestern wird im Kreis Warendorf auch von Mitarbeitern der NABU-Station durchgeführt. Falls Sie Unterstützung bei der Nestsuche oder -markierung benötigen, wenden Sie sich gerne an die Zuständigen Ansprechpartner.

Die Schlüpflinge sind Nestflüchter und verlassen direkt nach dem Schlüpfen das Nest. Sie halten sich bevorzugt an krautreichen Ackerrändern auf, da sie hier Deckung und insektenreiche Nahrung finden. Artenreiche Blühstreifen können das Nahrungsangebot und somit die Überlebenschancen der Küken erhöhen. Zudem bieten krautige Saumstrukturen den Jungtieren Schutz vor Fressfeinden.

 

Die Grundlage eines erfolgreichen Kiebitz-Schutzes bildet der Schutz der Gelege in Zusammenhang mit der Anlage geeigneter Nahrungs- und Unterschlupfflächen. 

 

 

Geeignete Schutzmaßnahmen im Überblick

 

Gelegeschutz

Die Nester können mit Markierungsstöckchen markiert und bei der Bodenbearbeitung (Umbruch, Einsaat) kleinräumig ausgespart werden. Landwirte sollten möglichst auf einen zeitnahen Ablauf der Arbeitsschritte bei der Frühjahrsbestellung (kurz hintereinander) achten, um die Störung für die Tiere möglichst gering zu halten.

 

 

Schaffung von Nahrungs- und Versteckflächen

Bei Untersuchungen im Kreis Warendorf in den vergangenen Jahren stellte sich heraus, dass durch den Gelegeschutz zwar der Schlupferfolg deutlich gesteigert werden konnte, der Bruterfolg (flügge gewordene Jungvögel) war aber weiterhin sehr gering (s. Abb. zum Bruterfolg unten). Das liegt vermutlich vor allem daran, dass es auf oder neben den Ackerflächen nicht ausreichend geeignete Nahrungsflächen für die Küken gibt.

Geeignet sind zum Beispiel niedrigwüchsige Wildackerflächen, blütenreiche Bracheflächen, Blühstreifen bzw. -flächen, etc. (z.B. im Rahmen des Greening), liegen gelassene, feuchte, schlecht zu beackernde Stellen in der Fläche als selbstbegrünende, insektenreiche Nahrungsbereiche sowie die Anlage von selbstbegrünenden Kiebitzinseln als Nahrungsflächen innerhalb eines Ackerschlages. Diese Maßnahme kann z.B. über den Vertragsnaturschutz gefördert werden. Auch extensiv beweidete Grünlandflächen in direkter Umgebung zum Brutplatz stellen einen optimalen Nahrungsraum für Kiebitzfamilien dar.

 

Nur das Markieren und Schützen der Nester reicht also nicht aus um den Kiebitz zu retten!

 

1-jähriges Vertragsnaturschutzpaket „Feldvogelinseln im Acker“ (Landesförderung in 2020)

Anlage von 0,5 - 1,0 ha großen Feldvogelinseln innerhalb von Schlägen (Silomais, Körnermais, Zuckerrüben, Ackerbohnen, Futtererbsen, Braugerste oder Sommergetreide). Bewirtschaftungsruhe vom 01.04. bzw. dem Datum des Vertragsabschlusses bis zur Ernte der angrenzenden Hauptfrucht (spätestens 01.10.), Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel, zusätzlich Markierung von Feldvogel-Nestern auf dem umliegenden Ackerschlag, um Bearbeitungsverluste zu vermeiden. Ausgleichsbetrag je nach Feldfrucht:

  • Silomais: 1.050 €/ ha
  • Körnermais: 820 €/ ha
  • Zuckerrüben: 1.011 €/ ha
  • Ackerbohnen: 419 €/ ha
  • Futtererbsen: 508 €/ ha
  • Braugerste: 698 €/ ha
  • Sommergetreide (Weizen, Gerste, Hafer): 442 €/ ha

Melden sie sich bei Interesse gerne bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf unter 02581-53 6134. Wir beraten Sie gerne!

 

Vertragsnaturschutz - Naturschutzgerechte Bewirtschaftung von Acker- und Grünlandflächen

Paket 5041: Anlage von Ackerbrachen durch Selbstbegrünung

Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz, Ausgleichsbetrag ha/ Jahr 1.150,- €

 

Paket 5042: Kiebitz-gerechte Einsaat von Ackerflächen

Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel, Einsaat mehrjährig, Ausgleichsbetrag ha/Jahr: 1.250,- €

 

Paket 5023: Bearbeitungsfreie Schonzeit auf Maisäckern

Schonzeit vom 22. März - 20. Mai, Ausgleichsbetrag ha/Jahr: 440,- €

(Ist nur in Kombination mit ausreichenden Nahrungsflächen auf der Fläche oder im direkten Umfeld sinnvoll.)

 

Paket 5100: Umwandlung von Acker oder Dauerkulturen in Grünland

Möglich z.B. auf Flächen in NATURA-2000-Gebieten, in Naturschutzgebieten, auf Flächen mit geringem Grundwasserflurabstand.

Genaue Bedingungen, Förderkulisse und Ausgleichbetrag nach Absprache

 

Pakete 5131/5132/5141/5142: Extensive Weidenutzung

Beweidungspflicht mit eingeschränkter Beweidungsdichte vom 15.03.-15.06.

Verzicht auf Düngung, Pflanzenschutzmittel und Pflegeumbruch.

Genaue Bedingungen, Förderkulisse und Ausgleichbetrag nach Absprache

 

Im Vertragsnaturschutz werden vorwiegend verschiedene Streifen- oder kleinflächigen Teilschläge auf einer Ackerfläche kombiniert, um eine möglichst vielfältige Lebensraumgestaltung zu erreichen. Gerne schlagen wir Ihnen ein passende Kombination aus verschiedenen Maßnahmenpaketen für Ihre Flächen vor. Melden Sie sich hierzu bei den oben aufgeführten Ansprechpartnern.

Die Umsetzung solcher Maßnahmen ist nur in solchen Bereichen sinnvoll, in denen grundsätzlich Kiebitze vorkommen. Für die Auswahl geeigneter Flächen vereinbaren Sie gerne einen Ortstermin mit uns.

Weitere Informationen zum Kiebitzschutz erhalten Sie auch auf der Internetseite der NABU-Naturschutzstation Münsterland:

http://www.nabu-naturschutzstation-muensterland.de/artenschutz/kiebitz/massnahmen/kiebitz-massnahmen.html

sowie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN):

https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/der-sympathietraeger-kiebitz.html

 

oder auf folgenden Seiten:

www.kiebitzschutz.de

www.lapwingconservation.org

Presseartikel

Ansprechpartner

Untere Naturschutzbehörde

 

Anne Schulze Niehoff

Tel. 02581 536134

Anne.SchulzeNiehoff@kreis-warendorf.de

 

 

NABU-Naturschutzstation Münsterland

 

Kristian Lilje

Tel. 0163-7296789

k.lilje@nabu-station.de

 

Thomas Laumeier

Tel. 0171 1962456

t.laumeier@nabu-station.de

 

 

Bei Fragen zum Vertragsnaturschutz:

 

Georg Kesse

Tel. 02581 536136

Georg.Kesse@kreis-Warendorf.de

 

sowie Frau Schulze Niehoff




Kontakt und Anfahrt

Kreisverwaltung Warendorf

Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf

 

Telefon: 02581 53-0
Fax: 02581 53-1099
verwaltung(at)kreis-warendorf.de

 

Allgemeine Öffnungszeiten der Verwaltung

Montag-Donnerstag: 8.00 - 16.00 Uhr

Freitag: 8.00 - 14.00 Uhr

Oder nach Vereinbarung.

Für die Zulassungsstellen in Beckum und Warendorf, die Führerscheinstelle sowie das Bauamt und für Ausländerangelegenheiten gelten abweichende Öffnungszeiten, die Sie hier nachlesen können.

Auszeichnungen

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