Springe zum Inhalt Springe zur Suche Springe zur Startseite

III. Der „neue“ Kreis und sein Verwaltungssitz

Ein Ziel der kommunalen Neugliederung war es, bestehende Kreise zu größeren Einheiten zusammen zu schließen. Im Münsterland sollten leistungsfähige Umlandkreise um die räumlich vergrößerte Solitärstadt Münster gebildet werden.

 

Das bedeutete von vornherein ein Zusammengehen der beiden ostmünsterländischen Kreise Beckum und Warendorf. Im Gebietsveränderungsvertrag von Juni 1973 wurde die Frage des Kreissitzes aber zunächst zurückgestellt.

 

Durch die Ausgliederung der Gemeinden Lippborg und Herzfeld an den Kreis Soest war Beckum an den südlichen Rand des Kreises geraten. Die so genannte „Zementstadtlösung“ Beckum-Neubeckum-Ennigerloh, die eine neue Zentralstadt geschaffen hätte, stellte sich als nicht realisierbar heraus.

 

Dagegen wurde die Stadt Warendorf durch die Fusion mit Milte, Einen und Freckenhorst sowie Teilen von Everswinkel und Telgte in ihrer Funktionalität erheblich gestärkt.

 

Die Entscheidung über den Kreissitz war eine politische Entscheidung. Am 8. Mai 1974 beschloss der Landtag:

„Die Gemeinden Ahlen, Beckum, Beelen, Drensteinfurt, Ennigerloh, Everswinkel, Oelde, Ostbevern, Sassenberg, Sendenhorst, Telgte, Wadersloh und Warendorf werden zu einem neuen Kreis zusammengefaßt.

 

Der Kreis erhält den Namen Warendorf.

Sitz der Kreisverwaltung ist die Stadt Warendorf.

Die Kreise Beckum und Warendorf werden aufgelöst. Rechtsnachfolger ist der neue Kreis Warendorf.“

„Nicht verzagen, Leute!“

[III/1; Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), Neue Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen. Kommunale Gebietsreform von 1967 bis 1975, Düsseldorf 1975, S. 6]

Das Bemühen beider Regierungsparteien, das Neugliederungsverfahren in der Öffentlichkeit gemeinsam zu vertreten, führte zu Spannungen zwischen der SPD-Landtagsfraktion und dem FDP-Innenminister Willy Weyer.

 

Die Sozialdemokraten klagten insbesondere über den engen Zeitrahmen und das Reformtempo Weyers.

„Der Kreisstadt das Grab geschaufelt“

[III/2; Die Glocke, 27.03.1974 (KAW, Warendorf C Nr. 32, S. 235)]

Im März 1974 haben Unbekannte auf dem Beckumer Marktplatz das im Bau befindliche Pütt-Denkmal für die Montage eines weithin sichtbaren Schildes genutzt.

 

Unter der Gedenktafel zum Ende der Kreisstadt Beckum wurde ein vertrockneter Kranz gehängt.

Der „Baum der Funktionalreform“

[III/5; Kreis Warendorf, Pressestelle]

Am 30. Mai 1975 pflanzen der frühere Warendorfer Landrat Dr. Josef Höchst und der letzte Beckumer Landrat Theodor Frisch auf dem Hof von Josef Höchst in Freckenhorst (Walgern 17) den „Baum der Funktionalreform“. Der Baum, eine Blutbuche, soll die mit der Neugliederung begonnene Kommunalreform symbolisieren. 

„Die Kreisstadt heißt Warendorf“

[III/3; Die Glocke, 09.05.1974 (KAW, Warendorf C Nr. 32, S. 244)]

Am 8. Mai 1974 verabschiedete der Landtag Nordrhein-Westfalen das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster-Hamm, durch das ab dem 1. Januar 1975 der neue Kreis Warendorf gebildet wurde. Der Sitz des Kreises wurde die Stadt Warendorf.

Das Treffen „Im Engel“ in Warendorf

[III/4; KAW, Warendorf C Nr. 26 (Neuer Emsbote, 17.01.1974)]

Der Warendorfer Landtagsabgeordnete Richard Winkels konnte seine Fraktionskollegen für die Wahl Warendorfs als Sitz des neuen Kreises gewinnen. Anlässlich einer Sitzung des SPD-Arbeitskreises „Kommunale Neuordnung des Landes Nordrhein-Westfalen am 15. Januar 1974 im Hotel „Im Engel“ in Warendorf unter Beteiligung des späteren Regierungspräsidenten Dr. Franz-Josef Antwerpes, des Vorsitzenden des Neugliederungsausschusses Richard Grünschläger sowie die Abgeordneten Heinz Dunkel, Karl Weiß, Ernst Wilczok, Dr. Knöpke, Richard Winkels, Günter Einert sowie des Bürgermeisters Dr. Kluck fiel die (stillschweigende) „Vorentscheidung“ für die Wahl der neuen Kreissitzes.