Springe zum Inhalt Springe zur Suche Springe zur Startseite

Sommer 1914 - Von der Krise zum Kriegsausbruch

"Bekanntmachung der Mobilmachung!" (KAW, S 9 Plakatsammlung Nr. 1956)

Zwischen Krise und Krieg lagen nur 31 Tage:

Am 28. Juni 1914 starb der österreichische Thronfolger durch die Kugeln eines bosnisch-serbischen Attentäters in Sarajewo.

Am 28. Juli zog Österreich-Ungarn gegen Serbien ins Feld. Kurz danach stürzte der Friede auch im Herzen Europas wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Die in zwei Bündnissen organisierten Mächte zogen in einen Krieg, von dem viele glaubten, dass er ohnehin irgendwann gekommen wäre und schnell zu Ende sein würde: das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn auf der einen, Frankreich, England und Russland auf der anderen Seite.

Über die Gründe für den Kriegsausbruch und die Frage nach der Kriegsschuld ist in den vergangenen 100 Jahren viel diskutiert wor­den.

Letztlich führte eine Mischung aus Bündnistreue und Kriegslust zum Ausbruch des Kriegs.

Allerdings hatte wohl keiner der verantwortlichen politischen Akteure mit einem weltumspannenden militärischen Konflikt von diesen Ausmaßen und von mehr als vier Jahren Dauer im Sommer 1914 gerechnet.

Der Krieg mobilisierte 65 Millionen Soldaten und forderte mehr als 17 Millionen militärische und zivile Todesopfer sowie rund 20 Millionen Verwundete.

Und das „alte Europa“ war Geschichte.

"Bekanntmachung!" (KAW, S 9 Plakatsammlung Nr. 1879)

Am Abend des 1. August 1914 informiert eine Bekanntmachung des Kommandierenden Generals des VII. Armeekorps die Bevölkerung über die Erklärung des Kriegszustandes. Der kommandierende General wird damit zum eigentlichen Träger der staatlichen Macht in seinem Korpsbezirk und übernimmt die vollziehende Gewalt. Zivilverwaltungen haben den Weisungen des Generalkommandos Folge zu leisten. Zahlreiche Anordnungen greifen in das allgemeine öffentliche Leben ein: Vorverlegung der Polizeistunde, Einschränkung des Alkoholausschanks, die vorübergehende Sperrung des Fernsprechverkehrs. Unpatriotisches Verhalten prangern die Militärbehörden an.

Der Beckumer Bahnhof am 2. August 1914 anlässlich der Mobilmachung. (Fotoarchiv Dormitorium Beckum)

Um 14:10 Uhr fuhr der Zug mit den Rekruten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vom Beckumer Bahnhof ab.

"Neuer Emsbote". Die Mobilmachung wurde auch im Neuen Emsboten verkündet. Durch die Einberufung der Soldaten fehlen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Daher wurden zeitgleich Schüler und Studenten aufgerufen, die Bauern bei der Ernte zu unterstützen. (KAW, Neuer Emsbote, Nr. 181: Freitag, 7. August 1914)
"Bekanntmachung!". Für die ausrückenden Soldaten galt ein generelles Alkoholverbot, um die Schlagkraft der Armee nicht zu schwächen. (KAW, S 9 Plakatsammlung Nr. 1961)
"Aufruf!". Aufruf des Kriegsministeriums in Berlin, sich freiwillig zur Fliegerstaffel zu melden. (19. August 1914; KAW, S 9 Plakatsammlung Nr. 1954)
"Aufruf zur Erntehilfe!". Um die Ernte trotz der Mobilmachung einbringen zu können, werden alle verfügbaren Personen gebeten, sich zu landwirtschaftlichen Arbeiten freiwillig zu melden. (KAW, S 9 Plakatsammlung Nr. 745)

Die Mobilmachung

"Fünf junge Rekruten vor ihrer Abreise an die Front". Feldpostkarte von Johannes Krämer an seine Schwester in Dolberg (30.09.1916): „Liebe Schwester! Die letzten Grüße von hier sendet Dir dein Bruder Johannes. Heb die Karte schön auf! Lebe wohl und auf Wiedersehen?“ (privat)
"Sechs Diestedder Soldaten (1914)". Die Soldaten gehörten zum 1. Bataillon, Reserve-Infanterie-Regiment 218. In der hinteren Reihe (2.v.l.) ist Konrad Brüggenthies, der diese Feldpostkarte am 10. Oktober 1914 an seinen Onkel Kaspar Wapelhorst sandte. (privat)
"Bernhard Brüggenthies (geb. 1893) aus Diestedde". (auf dem Foto ganz rechts) wurde bereits im September 1914 an der Westfront verwundet. Er schreibt am 22. Oktober 1914 aus dem Reservelazarett in Elberfeld an seinen Onkel Kaspar Wapelhorst in Wadersloh. (privat)
"Konrad Brüggenthies (geb. 1891) aus Diestedde". (ganz links im Bild) wurde 1915 verwundet. Er schreibt am 22. Juni 1915 aus dem Hilfslazarett Weidenplan in Halle a.d.Saale an seinen Onkel Kaspar Wapelhorst in Wadersloh. (privat)