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"Inklusion erfordert gemeinsamen Kraftakt"

Betonten die Bedeutung des Themas Inklusion, v.l.n.r: Kreisdirektor Dr. Heinz Börger, LWL-Jugend- und Schuldezernent Hermann Meyer, Landrat Dr. Olaf Gericke, Reiner Limbach (Landkreistag NRW) und Sozialplanerin Verena Schulte-Sienbeck (Kreis Warendorf).
Auch die Podiumsdiskussion wurde von Gebärdensprachdolmetschern (ganz links im Bild Esther Winking) simultan übersetzt. Außerdem auf der Bühne v.l.n.r: Verena Schulte-Sienbeck, Petra Pioch, Herbert Kraft, Heinz Linnemann, Dr. Heinz Börger, Reiner Limbach, Wilhelm Büker und Hans Meyer.
Volles Haus Nottbeck: 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bergüßte Landrat Dr. Olaf Gericke zu der Veranstaltung.
Bei der engagiert geführten Podiumsdiskussion und den zahlreichen anschließenden Wortmeldungen aus dem Saal wurde deutlich, wie viel Informations- und Handlungsbedarf es beim Thema Inklusion gibt.

250 Teilnehmer bei Auftaktveranstaltung des Kreises Warendorf

 

Wie groß das Interesse am Thema ist, zeigte ein Blick in den voll besetzten Saal auf Haus Nottbeck. Zur Auftaktveranstaltung "Inklusion im Kreis Warendorf" begrüßte Landrat Dr. Olaf Gericke 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Lehrer und andere Fachleute, Vertreter von Verbänden und Kommunen im Kreis, Politiker wie die Landtagsabgeordnete Astrid Birkhahn und viele weitere Interessierte waren gekommen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie wird die UN-Behindertenrechtskonvention im Kreis Warendorf umgesetzt? "Bis Ende 2012 wollen wir einen Inklusionsplan mit einem konkreten Handlungsprogramm vorlegen. Dabei möchten wir den Sachverstand der betroffenen Menschen einbeziehen", kündigte Landrat Dr. Olaf Gericke an.

 

"Inklusion bedeutet, dass alle in allen Lebensbereichen mitmachen können – das Thema geht nicht nur die Behinderten, sondern die gesamte Gesellschaft an. Wir stehen vor einem gemeinsamen Kraftakt" – dieses Fazit zogen nicht nur die Referenten des Abends, sondern auch Teilnehmer an der anschließenden Diskussion.

 

Dass der Kreis mit der Auftaktveranstaltung in Oelde-Stromberg ein neues Kapitel aufschlug, wurde auch an einem Detail deutlich: Erstmals waren Gebärdendolmetscher im Einsatz. Von der einleitenden Rede des Landrats über die beiden Fachvorträge bis zur Podiumsdiskussion übersetzten Tom Temming und Esther Winking alle Wortbeiträge simultan auf der Bühne in Gebärdensprache.

 

"Es gilt, Barrieren abzubauen bzw. sie gar nicht erst entstehen zu lassen Inklusion umfasst die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen.", erinnerte Landrat Dr. Olaf Gericke. Beim derzeit am häufigsten diskutierten Thema Schule müsse es ausschließlich darum gehen, an welcher Schule die optimale individuelle Förderung für behinderte Kinder möglich sei, betonte der Landrat. Dass Inklusion keineswegs das automatische Ende der Förderschulen bedeutet, wurde auch im weiteren Verlauf des Abends deutlich.

 

Auf die wichtigsten der insgesamt 50 Artikel umfassenden UN-Behindertenrechtskonvention und auf die Frage, wie weit die Lebenssituation in Deutschland diesen Anforderungen schon entspreche, ging Reiner Limbach vom Landkreistag NRW ein. "Der Begriff Inklusion bedeutet eine neue Qualität. Teilhabeplanung wird künftig ein Teil der Sozialplanung werden", so Limbach. Teure Fehlplanungen müssten mehr denn je vermieden werden, sprach er das Thema Barrierefreiheit an. Die Bundesländer seien durch die UN-Konvention aufgefordert, eigene Aktionspläne aufzustellen. Der von der Landesregierung für diesen Sommer angekündigte Inklusionsplan liege jedoch noch nicht vor. Die Kreise müssten dabei darauf achten, dass sie die notwendige Finanzausstatung erhalten.

Den Vortrag von Reiner Limbach können Sie hier nachlesen.


"Die UN-Konvention sieht eine inklusive Beschulung und frühkindliche Bildung für 80 bis 90 Prozent der Kinder mit Behinderungen vor", erläuterte Hans Meyer, Jugend- und Schuldezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Von diesem Ziel sei Deutschland aber weiter entfernt als andere europäische Länder. Der Anteil der Förderschüler sei dagegen in der Bundesrepublik mit fünf Prozent überdurchschnittlich hoch. Während im Kreis Warendorf mit 85 Prozent besonders viele Jungen und Mädchen mit Behinderungen Regelkindergärten besuchen, liegen die Werte bei den Grundschulen (23,4 Prozent) und den weiterführenden Schulen (9,9 Prozent) in etwa auf dem Landesniveau.

Eckpunkte und Daten aus dem Vortrag von Hans Meyer können Sie hier nachlesen.

 

Das Problem seien vor allem die Übergänge. Oft scheitere der Besuch einer Regelschule an baulichen Voraussetzungen, berichtete Hans Meyer. "So stand in einer Großstadt jetzt für ein Kind, das von einer Förderschule wechseln wollte,  keine barrierefreie Hauptschule zur Verfügung."

 

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion und den darauf folgenden vielen Fragen aus dem Plenum wurde deutlich, wie groß der Informations- und Handlungsbedarf bei der Inklusion ist. Moderiert wurde die Diskussion von Verena Schulte-Sienbeck, Sozialplanerin beim Kreis Warendorf. Neben den Referenten Reiner Limbach und Hans Meyer nahmen daran Petra Pioch, aktiv im Blinden- und Sehbehindertenverein, Initiatorin des Runden Tischs der Behindertenverbände in Warendorf; Herbert Kraft, Geschäftsführer des Caritasverbandes im Kreisdekanat Warendorf; Heinz Linnemann, Vorsitzender des Behindertenbeirates; Wilhelm Büker, Sprecher des Elternbeirates der Freckenhorster Werkstätten sowie Kreisdirektor Dr. Heinz Börger teil.

 

 


 

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