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Kreis Warendorf setzt auf breite Bürgerbeteiligung

Freuten sich über die gute Resonanz bei der Integrationskonferenz des Kreises, v.l.n.r.: Prof. Dr. Michael Bommes, Dr. Alfred Reichwein, Landrat Dr. Olaf Gericke, Kreisdirektor Dr. Heinz Börger, Bürgermeister Helmut Predeick (Oelde), Sozialplanerin Verena Schulte-Sienbeck (Kreis Warendorf) und Bürgermeister Paul Berlage (Drensteinfurt).
Kabarett zur Auflockerung: Welche Möglichkeiten hat ein Goldfisch, wenn er aus seinem Glas ausbricht? Kabarettist Sinasi Dikmen sorgte mit Auszügen aus seinem Programm "Islam für Anfänger" für Heiterkeit und regte gleichzeitig zum Nachdenken an.
Viele Teilnehmer nutzten nach den Vorträgen die Möglichkeit zum Gespräch.
Volles Haus im großen Saal auf Haus Nottbeck.

- 130 Teilnehmer bei der Integrationskonferenz -


Auf die breite Beteiligung der Bürger setzt der Kreis Warendorf bei der Erstellung seines Integrationskonzeptes. Das machte Landrat Dr. Olaf Gericke bei der ersten kreisweiten Integrationskonferenz mit etwa 130 Teilnehmern am Dienstagabend auf Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg deutlich. "Unser Integrationsprojekt haben wir unter das Motto "Einander kennen lernen" gestellt. Diese Überschrift hat sich bislang als goldrichtig erwiesen", blickte der Landrat auf die erste Projektphase zurück. Seit dem vergangenen Sommer hätten zahlreiche Interviews und Gruppengespräche sowie die Vorbereitung der lokalen Integrationsforen, die in allen 13 Städten und Gemeinden stattfinden werden, bereits zu einem besseren Kontakt aller beteiligten Akteure geführt. Welche Angebote gibt es im Kreis Warendorf - und wo besteht Handlungsbedarf? Das sind die Fragen, die im Mittelpunkt stehen sollen.  

 

Mitglieder von deutsch-ausländischen Freundeskreisen und von Migrantenselbstorganisationen gehörten ebenso zu den Teilnehmern der Konferenz wie Vertreter von Religionsgemeinschaften, Verbänden und Kommunen sowie von Familienzentren und anderen Einrichtungen. Auf einem Markt der Möglichkeiten präsentierten Vereine, Verbände und Kommunen zu Beginn und zum Abschluss der Veranstaltung Projekte zur Integrationsarbeit im Kreis. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Gespräche zu führen und neue Kontakte zu knüpfen. "Die große Resonanz und vor allem das Interesse am  Austausch, der Vernetzung und der Mitarbeit im Projekt freuen mich sehr", zog Verena Schulte-Sienbeck, für die Integration zuständige Sozialplanerin des Kreises, ein positives Fazit.

 

"Sprache und Bildung sind der Schlüssel zu einer gelungenen Integration", nannte Landrat Dr. Olaf Gericke ein Fazit des vorliegenden Zwischenberichtes. Das über 100 Seiten umfassende Werk ist in Kürze auf der Homepage des Kreises abrufbar:  www.kreis-warendorf.de/integration. Die Zahlen verdeutlichen, dass die landesweiten Trends am Kreis Warendorf nicht vorbeigehen. Knapp 20 Prozent der Menschen, die hier leben, haben eine Zuwanderungsgeschichte - das bedeutet: mindestens ein Elternteil ist zugewandert oder hat eine ausländische Staatsangehörigkeit.

 

Für gut 19 Prozent der Vierjährigen wurde bei Tests 2008 Sprachförderbedarf festgestellt. Der Zuwandereranteil ist in den Kindergärten mit 27 Prozent der Jungen und Mädchen größer als bei der gesamten Bevölkerung im Kreis Warendorf. Nach wie vor überwiegend nicht deutsch gesprochen wird in den Familien von 16 Prozent der Kindergartenkinder im Kreis Warendorf. Verschiedene neue Projekte für Kindergärten und Schulen wird der Kreis deshalb auf den Weg bringen. So ist ein frühkindliches Integrations-Training geplant - eine ganzheitliche Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Das Regionale Bildungsbüro im Kreis Warendorf wird zur Sprachförderung an den Schulen ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern, die die Muttersprache der Kinder und deutsch sprechen, aufbauen.


Bis Januar 2010 werden für alle Interessierten offene Integrationsforen in den Städten und Gemeinden stattfinden. "Wir wollen die Bürger stark einbeziehen - ähnlich wie bei unserem Familienbericht, bei dem wir mit 3000 Bürgern ins Gespräch gekommen sind. Viele Anregungen daraus sind mittlerweile in die Lebenswirklichkeit eingegangen", so Kreisdirektor Dr. Heinz Börger, der die Integration als langfristigen Prozess bezeichnete. Begleitet wird er im Kreis von vier Planungsgruppen zu den Themen  Sprache, Arbeit/Wirtschaft und Gesundheit sowie einer Bürgerplanungsgruppe, die externe Anregungen aufnimmt.

 

Prof. Dr. Michael Bommes vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Uni Osnabrück ging auf die Aufgaben der Kommunen und Kreise bei der Integration ein. Sie könnten die Bedingungen nicht allein schaffen, aber durch eine gute Kombination verschiedener Faktoren dafür sorgen, dass möglichst viele Bürger zu einer selbstständigen Lebensführung in der Lage seien - nichts anderes bedeute letztendlich Integration.

 

Dr. Alfred Reichwein von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, die den Integrationsprozess im Kreis fachlich unterstützt, erläuterte die seit Mitte 2008 u.a. durch Fragebögen durchgeführte  Bestandsaufnahme. Er verdeutlichte mit weiteren Zahlen, wie wichtig Verbesserungen in den Bereichen Sprache und Bildung sind. Die 15 Hauptschulen im Kreis, die sich an der Befragung beteiligten, gaben an, dass im vergangenen Schuljahr 43 Prozent der Abgänger ohne Abschluss einen Zuwanderungshintergrund hatten, während der Anteil an der gesamten Schülerschaft nur 29 Prozent betrug. Der Migrantenanteil unter den Gymnasiasten beträgt dagegen nur knapp elf Prozent.  

 

Trotz der vielen Daten und Fakten kam der Spaß bei der Konferenz nicht zu kurz. Für Auflockerung und viele Lacher sorgte Sinasi Dikmen. Als Türke tscherkessicher Abstimmung ist der Mitinhaber eines kleinen Theaters in Frankfurt (Kabarett-Änderungs-Schneiderei, KÄS) nach eigenen Worten selbst Angehöriger einer dreifachen Minderheit. Mit Auszügen aus seinem Programm "Islam für Anfänger" bewies Dikmen auf pointierte Weise, dass sich das komplexe Thema auch von der heiteren Seite betrachten lässt.

 

Die Integrationskonferenz soll keine einmalige Sache bleiben. In den kommenden Jahren sind weitere kreisweite Veranstaltungen zum Thema geplant.

 

Im Wortlaut: Die Rede von Landrat Dr. Olaf Gericke auf der Integrationskonferenz

Programm-Flyer


 


 

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