Springe zum Inhalt Springe zur Suche Springe zur Startseite

Tatjana Bogacuk arbeitet gerne im Hotel / „Anderen Gehörlosen möchte ich Mut machen“

Was im Hotel für sie zu tun ist, weiß Tatjana Bogacuk (l.) genau, berichtet sie Nela Orahovac (Richter Premium Hotelservice) und Jobcenter-Leiter Dr. Ansgar Seidel (Kreis Warendorf). - (Fotos: Kreis Warendorf).
Tatjana Bogacuk (5.v.l.) hat im Mövenpick Hotel schnell Fuß gefasst – die Arbeit macht der gehörlosen Mitarbeiterin Spaß. Über ihre Integration freuen sich (v.l.n.r.): Angelina Wendt (Mövenpick-Personalleiterin), Barbara Kaufmann (Gesundheitsmanagement Richter Premium Hotelservice), Doris Schmersträter (FSP), Eva-Maria Geißmann (Jobcenter Münster), Stephanie Döring (Jobcenter Kreis Warendorf), Gebärdendolmetscherin Mareike Lohmannn, Nela Orahovac (Richter Premium Hotelservice) sowie Dr. Ansgar Seidel (Leiter Jobcenter).

In ihrem erlernten Beruf als Offset-Druckerin, später in einer Textil-Einzelhandelskette oder in einer Wäscherei: Bis zur Familienphase hat Tatjana Bogacuk immer gearbeitet. Sie ist von Geburt an gehörlos und Mutter von drei Kindern. Jetzt hat sie den Sprung zurück ins Berufsleben geschafft. Mit Hilfe des Jobcenters und des Vereins für Soziale Teilhabe und Psychische Gesundheit Münster (FSP) konnte sie eine Stelle im Mövenpick Hotel Münster antreten, wo sie für die Firma Richter Premium Hotelservice als Zimmermädchen arbeitet. „Viele gehörlose Menschen trauen sich eine Berufstätigkeit nicht zu. Ich war früher selbst sehr schüchtern. Doch man sollte nicht aufgeben. Anderen Gehörlosen möchte ich Mut machen, den Schritt in die Arbeitswelt zu wagen“, sagt die 39-Jährige.

 

Ihre neue Halbtagstätigkeit gefällt ihr. „Die Arbeit im Hotel kann ich zudem gut mit der Familie vereinbaren, auch wenn der Tag natürlich durchgetaktet ist“, erklärt sie mit schnellen Bewegungen, die eine Gebärdendolmetscherin übersetzt. Ihre drei Kinder im Alter von zwei bis 13 Jahren sorgen dafür, dass auch Zuhause viel zu tun ist. Morgens muss sie das Trio startklar machen und den Jüngsten zur Kita bringen. Dann beginnt ihre Arbeit im Mövenpick am Aasee – dem mit 224 Zimmern größten Hotel in Münster.

 

Welche Arbeitsschritte sind erforderlich? Wie genau muss das Bett gemacht, das Hotelzimmer aufgeräumt und gereinigt werden – und was gilt es besonders zu beachten? Viele Fragen hatte Tatjana Bogacuk an ihren ersten Arbeitstagen. Dabei hat eine Dolmetscherin geholfen. „Das hat sehr gut geklappt, Frau Bogacuk hat schnell gelernt. Auch jetzt im Arbeitsalltag gibt es keine Kommunikationsprobleme“, berichtet Projektleiterin Nela Orahovac (Richter Premium Hotelservice). Arbeits- und Abreisepläne der Gäste liegen schriftlich vor – das erleichtert viele Abläufe. „Wir sind sehr zufrieden mit Tatjana Bogacuk. In unserem Hotel sind wir es gewohnt, mögliche Verständigungsprobleme schnell zu lösen – schließlich haben wir Gäste und Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Ländern“, berichtet Angelina Wendt, Personalleiterin im Mövenpick Hotel Münster.

 

„Die Integration von Menschen mit Behinderungen ins Arbeitsleben ist für uns eine wichtige Aufgabe. Den Lebensunterhalt selbst zu verdienen ist die eine Seite – die andere ist, dass viele Betriebe dringend gutes und motiviertes Personal suchen“, so Dr. Ansgar Seidel, Leiter des Jobcenters Kreis Warendorf. Dort hatte die erfolgreiche Vermittlung im Februar 2018 begonnen. Tatjana Bogacuk wohnte damals in Telgte. Sie erhielt ein Einzelcoaching beim FSP in Münster. Ziel war eine Beschäftigung – zum Beispiel als Reinigungskraft. Es folgte ein Praktikum bei Richter Premium Hotelservice, ihrem jetzigen Arbeitgeber. Zwei Tage lang stand dabei eine Gebärdendolmetscherin zur Verfügung – und auch danach war die Kommunikation über die Arbeitsabläufe kein Problem.

 

Das dreitägige Praktikum war erfolgreich, so dass Tatjana Bogacuk  Mitte Juni im Rahmen einer Probebeschäftigung für drei Monate eingestellt und anschließend fest übernommen wurde. Da sie im September von Telgte nach Münster umgezogen ist, kümmerte sich das Jobcenter Münster darum, dass der Arbeitgeber einen Eingliederungszuschuss erhält. „Die Arbeitsvermittlung hört für uns ja nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen auf“, sieht Eva-Maria Geißmann (Jobcenter Münster) ebenso wie Dr. Ansgar Seidel (Jobcenter Kreis Warendorf) diese erfolgreiche Integration auch als Beispiel für die gute interkommunale Zusammenarbeit der Jobcenter.

 

 


Untermenüpunkte im aktuellen Bereich

 

#35023