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Ein weiter Weg zum Traumberuf in der neuen Heimat / „Polizei steht in Deutschland für den Rechtsstaat“

Seit September ist Hazem Basha Kommissaranwärter bei der Polizei. „Das habe ich auch dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) und dem Jobcenter des Kreises Warendorf zu verdanken“, sagt der junge Syrer im Gespräch mit KI-Mitarbeiterin Vivien Münstermann und Jobcenter-Leiter Dr. Ansgar Seidel. – (Foto: Kreis Warendorf)

Als Hazem Basha 2014 mit seiner Familie aus Syrien nach Everswinkel kam, besuchte er zunächst die 8. Klasse der Verbundschule. Doch das änderte sich schnell. „Dieser Schüler gehört aufs Gymnasium“, stellte die Schulleitung auch mit Blick auf seine syrischen Zeugnisse fest. „Ich wollte lieber weiter mit meinen Freunden zur Schule gehen – dann musste ich plötzlich nach Warendorf fahren.“ Doch natürlich nahm der junge Syrer von da an den Schulbus und besuchte das Augustin-Wibbelt-Gymnasium in Warendorf. Er überwand die zunächst sehr hohen Sprachhürden und machte in diesem Jahr das Abitur.

 

Doch damit endet diese im doppelten Sinne wahre Erfolgsgeschichte nicht: Schon vor dem Schulabschluss bewarb Hazem Basha sich bei der Polizei NRW als Kommissaranwärter. Das Auswahlverfahren fand teilweise parallel zu den Abiprüfungen statt. Ein Assessment-Center mit Rollenspielen, komplizierte Aufgaben, Computertests, Interviews – und alles am Ende streng nach Punkten ausgewertet. Es gehört viel dazu, sich unter etwa 10.000 Bewerberinnen und Bewerbern durchzusetzen und zu den 2500 Ausgewählten zu gehören. Doch im Juni erhielt der 19-Jährige die freudige Nachricht, dass für ihn im September 2019 das Studium in Münster beginnt. „Darüber bin ich sehr froh. Schon als Kind wollte ich Polizist werden“, erinnert er sich. Jetzt geht dieser Traum in Erfüllung – wenn auch unter ganz anderen Umständen. „Bis jetzt gefällt es mir sehr gut. Polizei steht hier in Deutschland für den Rechtsstaat – anders als in Syrien.“

 

Drei Jahre dauert das Bachelor-Studium für den gehobenen Polizeidienst. Es besteht aus drei Elementen: dem Studium an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, fachpraktischen Trainings im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP)  und berufspraktischen Ausbildungsphasen in den Polizeibehörden. Die Kommissaranwärter sind während des Studiums Beamte auf Widerruf.

 

Mit seinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern war der junge Syrer  aus dem Bürgerkriegsland über den Libanon nach Deutschland gekommen. „Die Truppen waren unserem Wohnort Aleppo immer näher gekommen. Mein Vater hat geweint. Ich habe erst später begriffen, dass das eine Flucht war – und was das bedeutet: Heimweh – und Verwandte und Freunde vielleicht nie wiederzusehen.“

 

Durch das Jobcenter Kreis Warendorf fühlt sich Hazem Basha auf seinem Weg sehr gut gefördert. Schon früh habe man mit ihm über seine beruflichen Perspektiven gesprochen und ihn auch in der Schule unterstützt. „Im Bio-LK hatte ich Schwierigkeiten. Das Jobcenter hat mir einen Nachhilfelehrer bezahlt – und das hat mir fürs Abitur geholfen.“ Trotz der tollen Hilfestellung durch das Jobcenter habe ich natürlich gejubelt, als mein erstes Gehalt auf dem Konto war und ich damit nicht mehr vom Jobcenter abhängig war“, ergänzt er. Auch Jobcenter-Leiter Dr. Ansgar Seidel freut sich über diesen gelungenen Berufseinstieg: „Die Entwicklung dieses jungen Mannes beeindruckt mich sehr. Dazu gehört eine große Willensstärke.“ Der Jobcenter-Leiter weist nebenbei auf die Fördermöglichkeiten nach dem Bildungs-und Teilhabegesetz hin: „Viele Leistungsberechtigte wissen nicht, dass wir Nachhilfeunterricht nicht nur dann bezahlen, wenn akut eine 5 auf dem Zeugnis droht, sondern auch dann, wenn es ihre Perspektiven für den Arbeitsmarkt verbessert.“

 

„Es war für mich ein weiter Weg zum Abitur in Warendorf und zum Traumberuf. Ich bin vielen Menschen hier in Deutschland sehr dankbar, dass sie mir geholfen haben. Ohne die Unterstützung durch das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Kreises Warendorf hätte es nie geklappt. Bis zum 11. Schuljahr habe ich Mercator-Förderunterricht bekommen, in kleinen Gruppen und zu Beginn sogar Einzelunterricht. Nur so konnte ich sprachlich den Anschluss bekommen“, erinnert sich Hazem Basha. „Dazu kam die Hilfe durch einen ehrenamtlichen Paten, der mir in vielen Fragen zur Seite stand und den ebenfalls das KI vermittelt und ausgebildet hat“, erinnert er sich. Anderen jungen Einwanderern rät der angehende Polizeikommissar: „Man kann hier viel erreichen, wenn man die guten Unterstützungsangebote nutzt und sich auf die Schule konzentriert.“ Neben einem erfolgreichen Studium bei der Polizei hat er ein weiteres Ziel, das er in absehbarer Zukunft erreichen könnte. „Ich möchte gerne Deutscher werden.“

 

Hintergrund: Ausländische Polizisten

In Nordrhein-Westfalen können unter bestimmten Umständen auch Nicht-EU-Ausländer Polizisten werden – entsprechend des Anteils ihrer Nationalität an der Bevölkerung. Die Bewerber müssen muttersprachliche Kenntnisse, die bei der Polizeiarbeit wertvoll sein können, nachweisen. Zudem müssen die ausländerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

 

 


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