Einen verblüffenden Einblick in die Geschichte der
christlichen Ikonographie bekommt man in der St. Lambertus Kirche in Walstedde.
Was es dort zu bewundern gibt, ist groß, ungewöhnlich groß und dazu sehr, sehr
alt. Fast zwei mal zwei Meter misst das imposante Triumphkreuz im Chor der
Kirche. Und nach Schätzungen von Kunstexperten stammt es aus der Mitte des 12.
Jahrhunderts. Wie es einmal in diesen Stadtteil von Drensteinfurt gelangt ist
und woher es überhaupt kommt, weiß heute keiner mehr genau. Vermutlich sollte
dieses Kleinod während des Dreißigjährigen Krieges vor der Zerstörung bewahrt
werden und wurde daher in der damals kleinen und unbedeutenden Gemeinde
Walstedde versteckt. Bemerkenswert sind jedoch nicht nur das Alter und die
Ausmaße des Kreuzes, sondern auch die Christusfigur selbst. Denn die weicht von
der heute üblichen Art der Darstellung ganz erheblich ab. Anders als gewohnt
wird Jesus hier nicht leidend oder tot dargestellt - mit Dornenkrone und Wunde
in der Seite. Das Kreuz in Walstedde zeigt einen jungen, siegenden Helden mit
weit offenen, klaren Augen - ganz wie es zur Entstehungszeit des Kreuzes üblich
war, als man Gott noch als Heerführer und König verehrte.
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