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Was aß der Bischof von Münster? / Buchvorstellung am 28. Juni: Kreis-Geschichtsverein und Historische Kommission haben Tafelgutverzeichnis herausgegeben

Mit den früheren Ämtern Stromberg und Sassenberg befasst sich der dritte Band des Tafelgutverzeichnisses des Bischofs von Münster. – (Foto: LWL/Burkhard Beyer)
Der Autor der Edition, Dr. Leopold Schütte, stellt am 28. Juni die wichtigsten Ergebnisse des neuen Bandes vor. – (Foto: LWL/Burkhard Beyer)

Was nicht in den Akten steht, das ist nicht in der Welt! Das wusste schon der Bischof von Münster, als er 1573 ein Register aller Abgaben erstellen ließ, die ihm die Bauern des östlichen Münsterlandes abzuliefern hatten. Erfasst wurden dabei die Einnahmen, über die der Bischof frei verfügen konnte und mit denen er seine Tafel bestücken lassen konnte. So ist für diese Aufzeichnungen der Ausdruck „Tafelgutverzeichnis“ entstanden, auch wenn mit den Einkünften weit mehr als nur die Speisen des Bischofs bezahlt wurden. Die Historische Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat gemeinsam mit dem Kreis-Geschichtsverein Beckum-Warendorf e.V. den dritten Band dieses Verzeichnisses herausgegeben. Am Mittwoch, 28. Juni, wird das Buch um 19 Uhr in der Alten Vikarie in Oelde-Stromberg (Münsterstraße 31) öffentlich vorgestellt.


Erstellt hat diese Edition der Historiker und Archivar Dr. Leopold Schütte aus Münster, der bis 2005 am Landesarchiv in Münster arbeitete. Für jedes der zwölf Ämter des Fürstbistums wurde 1573/74 ein Tafelverzeichnis angelegt. „Die Aufzeichnungen enthalten zahlreiche Angaben, die für die Orts- und Familiengeschichte sowie für die Rekonstruktion der Landwirtschaft und die Sprachforschung von großer Bedeutung sind“, erklärt Prof. Wilfried Reininghaus, Vorsitzender der Historischen Kommission.


„Das Tafelgutverzeichnis ermöglicht tiefe Einblicke in die bäuerliche Lebenswelt der frühen Neuzeit und ist eine einmalige historische Quelle auch für die Wirtschaftsgeschichte in unserer Region“, erläuterte Dr. Olaf Gericke, Landrat und erster Vorsitzender des Kreis-Geschichtsvereins, den Stellenwert der Veröffentlichung.

 

Das Verzeichnis listet die Grundstücke und Güter in den früheren Ämtern Stromberg und Sassenberg auf, aus denen dem Bischof Abgaben und Erträge zustanden. Mit diesen Einkünften aus dem so genannten „Amtsgut“ wurde nicht nur die „Tafel“ des Bischofs — also seine Person — unterhalten. Auch der „Hofstaat“ und Teile der Verwaltung wurden auf diese Weise finanziert.


Das Buchprojekt ist Auftakt einer neuen Zusammenarbeit zwischen der Historischen Kommission und dem Kreis-Geschichtsverein: Erstmals erscheint eine Veröffentlichung sowohl in der Publikationsreihe der Historischen Kommission als auch in der des Kreis-Geschichtsvereins.


Da das Werk viel über die Herrschaftsverhältnisse im östlichen Münsterland vergangener Jahrhunderte aussagt, passen Buch und der Ort, an dem es am 28. Juni vorgestellt wird, hervorragend zusammen –  ist doch die Alte Vikarie eng mit dem Bischof von Münster verbunden: Jahrelang haben der Bischof und der Papst abwechselnd die Vikariestelle besetzt.


Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Kreis-Geschichtsvereins, Landrat Dr. Olaf Gericke, und einer Einführung von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus wird Autor Dr. Leopold Schütte bei der Buchvorstellung die Ergebnisse des Bandes erläutern. Anschließend lädt der Kreis-Geschichtsverein zu Gesprächen und einem Umtrunk ein. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind nicht erforderlich.


Leopold Schütte (Bearb.), Das Tafelgutverzeichnis des Bischofs von Münster 1573/74. Band 3
: Die Ämter Sassenberg und Stromberg, Münster 2017, 272 Seiten, Festeinband, Faksimiles (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 39; Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, Band 56), Münster: Aschendorff, ISBN 978-3-402-15127-3, 39,00 €.


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