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Streifzug durch die Geschichte der Unternehmerfamilie Habig aus Oelde / Kreisarchiv zeigt ausgewählte Stücke

Im Jahre 1951 heiratete Heinz-Werner Habig in Solingen Hilde Hilgenberg aus Essen. Auf dem Bild ist das Brautpaar mit ihren Eltern zu sehen, links im Bild Werner und Maria Habig, Hilde Habig (geb. Hilgenberg), Heinz-Werner Habig und Hilde Hilgenberg, die Schwiegermutter Heinz-Werner Habigs. Drei Jahre nach der Hochzeit verunglückten Heinz-Werner und Hilde Habig: Sie kamen am 05.09.1954 bei einem Absturz des niederländischen Passagierflugzeuges „Triton“ in Shannon (Irland) ums Leben. (KAW, S 1/59 Müller-Habig, Oelde Nr. 67)
Anlässlich der Einweihung der Carl-Schmitz-Halle in Oelde veranstaltete Werner Habig am 27.04.1952 ein großes Fest mit rund 2500 Gästen. Alle Angestellten von Westfalia Separator waren mit ihren Partnern eingeladen. (KAW, S 1/59 Müller-Habig, Oelde Nr. 59)

Im Zuge der Serie „Wiedervorlage“ stellt das Kreisarchiv einen neu verzeichneten Bestand vor: Das Archiv der Familie Habig aus Oelde. Im Foyer des Kreishauses werden aktuell ausgewählte Stücke des Bestandes in einer Vitrine ausgestellt. Die Unternehmerfamilie Habig bzw. später auch Müller-Habig führte seit 1915 über Jahrzehnte die Firma Westfalia Separator, ehemals Ramesohl & Schmidt, in Oelde.


Durch die Firma Westfalia und ihr gesellschaftspolitisches Engagement beispielsweise in Form von Spenden an Schulen, kirchliche Einrichtungen oder die Unterstützung des sozialen Wohnungsbaus in Oelde prägte die Familie auf bedeutende Weise das Stadtbild. Direktor der Firma war ab 1915 Werner Habig. Er war zunächst nur als Buchprüfer nach Oelde geholt worden, wurde jedoch noch im selben Jahr zum Direktor der Firma Ramesohl & Schmidt ernannt.


Seine Tochter Margot Müller-Habig überließ dem Kreisarchiv Warendorf 2005 den Nachlass ihrer Eltern, der heute unter der Signatur S 1/59 Müller-Habig im Warendorfer Kreisarchiv aufbewahrt wird. Die Dokumente behandeln hauptsächlich Ereignisse zwischen 1920 und 1970.


Dabei beziehen sich die Unterlagen in erster Linie auf die Familie Habig und nur zum Teil auf die Firma Westfalia. Der wesentliche Fokus liegt auf dem Ehepaar Werner und Maria Habig und deren Kindern Margot Müller-Habig und Heinz-Werner Habig.


Ein Schwerpunkt des Bestandes ist die umfassende Korrespondenz der Familienmitglieder. Die Familie Habig war in Politik, Wirtschaft und Kirche ausgesprochen gut vernetzt. Ausdruck dieses Netzwerks sind zahlreiche Schreiben von Bischöfen und Ordensangehörigen oder auch politischen Autoritäten wie dem ehemaligen Reichskanzler Heinrich Brüning oder Regierungspräsident Franz Hackethal, die sich oft auch an Maria Habig wenden.


Erwähnenswert ist auch die Sammlung von Feldpostbriefen aus dem Zweiten Weltkrieg von Mitarbeitern der Firma Westfalia sowie von Freunden und Familienmitgliedern. Des Weiteren sind zahlreiche Briefe von Heinz-Werner Habig, dem einzigen Sohn von Maria und Werner Habig, aus den 1930er bis 1950er Jahren erhalten, die ein lebendiges Bild der Verhältnisse – besonders  von denen in den USA – Anfang der 50er Jahre zeichnen.


Deutlich wird dabei auch die Internationalität der Familie Habig: So vertrat Heinz-Werner Habig seit 1949 die Tochterfirma „Centrico“ in den USA. Fotos und Zeitungsausschnitte auch zu Heinrich Brüning, dem ehemaligen deutschen Reichskanzler, ergänzen den Bestand zusätzlich. Mit diesem war die Familie Habig befreundet. Einige gut dokumentierte Besuche von Angehörigen in den USA sind bezeichnend für den engen Kontakt der Familie.


Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Manuskripte von Trude König geb. Hope. In ihrer Kindheit hatte Margot Müller-Habig Klavierunterricht bei der jüdischen Pianistin Trude Hope. Nachdem diese 1935 in die USA emigrierte, nahm Margot Müller-Habig in den 1980ern Kontakt zu ihrer ehemaligen Lehrerin auf und traf sich mit ihr 1996 in den USA. Als Trude König zwei Jahre später verstarb, ließ Margot Müller-Habig den Bericht ihrer Lehrerin über deren Flucht aus Nazi-Deutschland ins Deutsche übersetzen und veröffentlichen.