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Vor 777 Jahren:

Der Bischof von Münster überlässt den Beckumer Bürgern einen Teil seines Besitzes gegen eine jährliche Zahlung

 

Urkunden gehören zu den wichtigsten und ältesten Quellengruppen, die das Kreisarchiv Warendorf beherbergt. Sie finden sich in großer Zahl in den Beständen der Städte und Gemeinden des Kreises. Ihre Aussteller sind überwiegend geistliche und weltliche Herrschaftsträger, wie Bischöfe, Grafen oder Städte.

 

Eine Urkunde stellt den Abschluss eines Rechtsgeschäfts dar. Sie war vor allem im Mittelalter ein wichtiges Mittel der Rechtssicherung. Die Mehrzahl der Urkunden bezieht sich auf die Veränderungen im Grundbesitz und der dazugehörigen Rechte und Abgaben.

 

Bis in das 15. Jahrhundert hinein wurden Urkunden auf Pergament geschrieben. Erst danach setzt sich das günstigere Papier als Beschreibstoff durch.

Die älteste Urkunde des Kreisarchivs wurde vor 777 Jahren ausgestellt: Am 1. November 1238.

 

In der auf Latein verfassten Urkunde verzichtet Ludolf von Holte, seit 1226 Bischof von Münster, als Landesherr gegen die Zahlung eines jährlich zu entrichtenden Betrages auf die eigenständige Bewirtschaftung seiner Güter und seiner Mühle in Beckum sowie auf seinen Rechtsanspruch, in Beckum Gericht halten zu dürfen.

Die Beckumer Bürger wurden damit endgültig aus der bischöflichen Verwaltung entlassen. Sie konnten fortan ihre Gemeindeangelegenheiten selbständiger und freier gestalten. In Zukunft traten sie selbstbewusster nach außen.

Als Zeugen dieses Vertrages werden sieben geistliche Würdenträger und siebzehn Laien genannt, für die angenommen werden darf, dass sie dem Rechtsakt beigewohnt haben.

 

Beglaubigt ist die Urkunde mit dem Siegel des Ausstellers, das die für geistliche Siegelführer typische spitzovale Form hat und an rot-gelben Seidenfäden (in Leinen eingenäht) angehängt worden ist.

Das Siegel ist leider zerstört, würde aber in einer idealisierten Darstellung das Selbstbildnis des Siegelführers, Bischof Ludolf von Holte zu Münster, zeigen.

Inhalt der Urkunde

(KAW, Stadt Beckum U Nr.1)

1238 November 1

 

Bischof Ludolf von Münster überlässt die Äcker seines Hofes in Beckum den dortigen Bürgern gegen die jährliche Zahlung eines festgelegten Betrages zur eigenen Bewirtschaftung.

 

Dazu trifft er mit seinem Schulten Johannes und dessen Ehefrau Elisabeth die Übereinkunft, dass beide sowie die Söhne aus erster und zweiter Ehe der Elisabeth, auf den Hof, das Recht, Gericht zu halten, die Mühle und das Erbe Modewic verzichten.

Im Gegenzug werden sie, mit Ausnahme ihrer Tochter Hadewig, zu Ministerialen ernannt. Hadewig soll frei bleiben, an ihrer Stelle jedoch Gertrud, Tochter des Wicbold, das Ministerialenrecht empfangen.

 

Weiterhin gibt er dem Schulten und dessen Frau von den zum Hofe gehörigen Äckern zwölf Morgen, wovon jedoch an den Bischof - als Zeichen seiner Herrschaft - jährlich zwölf Denare zu entrichten sind.

 

Nach dem Tode des Johannes und seiner Frau sollen die Ländereien erblich auf die Söhne übergehen und zwar die eine Hälfte auf die Söhne des ersten Mannes, die andere Hälfte auf die beiden Söhne des Johannes. Falls diese ohne Leibeserben sterben, soll alles an die Söhne der ersten Ehe gelangen.

 

Außerdem erhält die Ehefrau des Johannes und ihr Sohn Ekbert, der als Ältester die Güter bzw. den Hof erbt, zwölf andere Äcker zu lebenslänglichem Nießbrauch.

Zeugen dieses Rechtsgeschäfts sind der Dompropst Wilehelm, der Domdechant Godefrid, der Vicedominus Bernhard, der Kanoniker Herman de Didinghoven, der Kaplan Arnold, Bernhard notarius, Volquin notarius, Hinrich viceplebanus in Bekehem, Volquin plebanus in Velheren; Wicbold de Holte, Otto de Horstmare, der Burggraf Conrad in Stromberg, der Burggraf Godefrid in Regchethe, Heriman de Mervelde, die Gebrüder Bernhard und Friderich de Menhuvele, der Droste (dapifer) Albert, der Kämmerer Johannes, Retger de Bekehem, Everhard de Werne, Albert de Holnhorst, die Gebrüder Herman und Bertram de Hakenez sowie Lambert de Vrekenhorst.

Abschrift der Urkunde

1 In nomine sancte et individue Trinitatis. Ludolfus, Dei gratia ecclesie Monasteriensis episcopus, universis hanc paginam inspecturis, salutem in autore salutis.

2 Quoniam in bone fidei contractibus probationes vive vocis propter lapsum temporis et hominum non semper haberi possunt subtiliter indagatum est ut scriptura

3 postoritati fidem faciat et de re gesta veritatem loquatur. Hinc tam modernis quam futuris tenore presentium declaramus, quod cum nos provida deliberatione perspex-

4 issemus, redditus episcopalis mense plurimum ex distractione curtis nostre in Bekehem augmentari posse, agros predicte curtis civibus ibidem ad excolendum duximus

5 locandos. De consilio igitur maturo et assensu priorum capituli et ministerialium ecclesie nostre Mo-nasteriensis, cum villico Johanne ac uxore sua Elizabet, cum pueris eiusdem E[lizabet] tam ex priore

6 viro quam ex secundo susceptis, ut a curte cum suis attinentiis cederunt, convenimus in hanc formam. Idem Jo. villicus et uxor sua cum pueris predictis, curtem, iudicium, molendi-

7 num Bekehem et mansum Modewic in manibus nostris spontanee resignabant. In cuius rei compensationem data ipsis quadam pecunie summa, iam ipsos quam pueros libertati con-

8 donavimus, et extunc cum fidelitatis iuramento in ministeriales Monasteriensis ecclesie recipimus, excepta Hadewigis filia prioris viri, que libera mansit, in cuius locum subiit Gerthru-

9 dis filia Wicboldi, ius ministeriales habitura. Concessimus insuper villico et uxori sue, in titulum iuris quod wicbilethereth dicitur, de agris curti attinentibus

10 duodecim iugera, quod vulgo morgen sonat, pro libitu villici eligenda, de quibus anuatim duodecim denarii Monasteriensis monete episcopo in signum dominii solventur.

11 Hii agri post mortem villici et uxoris sue pueros hereditario iure contingent, et medietas agrorum tunc cedet pueris viri prioris, reliqua duobus pueris villici Johannis,

12 qui si sine prole decedant, illa medietas redebit ad pueros priores, et de illis versa vice, nec vacare poterunt agri predicti aliquo de prefatis pueris superstite vel eorum herede. Item

13 assignavimus villice et filio eius Ecberto, quem villicatio contingere debuerat, duodecim alios agros pro usufructu, quoad vixerit uterque vel alter eorum, retinendos, qui eis mortuis

14 episcopo tunc vacabunt. Donavimus preterea villico et villico duas areas cum omnibus edificiis in fundo curtis, unam ubi domus ipsa stetit, et aliam ad plateam que ab occidente ad

15 forum tendit, quas cum edificiis Johannis habebunt, et si eos sine prole mori contigerit, ad alios pueros devolventur, quatuor denariis annuatim episcopo pro unaquaque area sol-

16 vendis. Ut autem hec eis et eorum heredibus firma permaneant et inconvulsa, presentem paginam conscribi fecimus et sigillo nostro insigniri. Testium nomina sunt Wilehelmus

17 Monasteriensis prepositus, Godefridus decanus, Bernhardus vicedominus, Hermannus de Didinghoven canonicus, Arnoldus noster capellanus, Bernhardus notarius, Volquinus notarius, Hinricus viceple-

18 banus in Bekehem, Volquinus plebanus in Velheren; Wicboldus de Holte, Otto de Horstmare, Conradus burgravius de Stromberg, Godefridus burgravius de Regchethe, Herimannus

19 de Mervelde, Bernhardus et Fridericus fratres de Menhuvele, Albertus dapifer, Johannes camerarius, Retgerus de Bekehem, Everhardus de Werne, Albertus de Holnhorst, Hermannus et Bertramus

20 fratres de Hakenez, Lambertus de Vrekenhorst, et alii quam plures. Acta sunt hec anno gratie M° CC° XXX° VIII°, Kalendas Novembris, presidente Romane sedi papa Gregorio VIIII°, regnante

21 Friderico imperatore augusto, indictione XIIa, pontificatus nostri anno XIII°.