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XI. Frauen, Kinderbetreuung, Jugendschutz

Im Kreisgebiet gibt es 1985 rund 3.000 Alleinerziehende. Die Frauenerwerbsbeteiligung liegt bei 32,8 %, der niedrigste Wert in NRW. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der fehlenden Ganztagsbetreuung für Kinder ist es für alleinerziehende Frauen sehr schwer, eine Arbeit zu finden. Viele sind daher auf Sozialleistungen angewiesen: 1985 beziehen 26,5 % der alleinerziehenden Frauen Sozialhilfe. Das Beratungszentrum für Alleinerziehende in Ahlen wird im Sommer 1985 eröffnet und entwickelt sich zu einer wichtigen Anlaufstelle für alleinerziehende Frauen.

 

Eine Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen bietet der Verein „Frauen helfen Frauen“, der 1980 in Warendorf eines der ersten Frauenhäuser deutschlandweit eröffnet. Die Einrichtungen sind eine Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder, die psychischer, physischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt oder davon bedroht sind. In den ersten Jahren gibt es teils heftige Anfeindungen seitens der Öffentlichkeit, aber auch Teile von Politik und Verwaltung stehen dem Frauenhaus reserviert gegenüber. Mit den Jahren wird es aber zu einem festen Bestandteil der Familienfürsorge. Bis 1989 werden über 1.000 Frauen und Kinder aufgenommen.

 

In den 1980er Jahren werden Kindergartenplätze immer knapper. 1984 fehlen allein in Sendenhorst 84 Plätze; viele Kinder besuchen erst ab vier Jahren einen Kindergarten.

 

1985 führt der Kreis eine Bedarfsermittlung für Ganztagsbetreuungsplätze durch: 80 % der Eltern geben an, keinen Platz zu benötigen, aber besonders in der Stadt Warendorf ergibt sich ein großer Bedarf. Der Kreis beschließt, Ganztagesplätze in Kindergärten anstelle von Kindertagesstätten einzurichten. Die große Nachfrage nach U 4-Betreuung bleibt aber weiterhin bestehen.

Frauenhaus Warendorf

[XI/3; KAW, S 1/50 NL Annette Schücking-Homeyer]

Im November 1979 wird auf die Initiative von Sibylle Schücking-Helfferich der Verein „Frauen helfen Frauen“ in Warendorf gegründet. Zuerst als Frauenzentrum konzipiert, bringt der Verein bereits im April 1980 die ersten von Gewalt betroffenen Frauen in einer kleinen Wohnung unter.

 

Im Dezember 1980 kauft der Verein eine alte Dorfschule. Der Umzug in das neue Frauenhaus erfolgt im April 1981. Das Haus wird zu einem der ersten Frauenhäuser in Deutschland und ist bis heute im Besitz des Vereins.

 

Lange Zeit ist die Finanzierung des Frauenhauses nicht gesichert. Anfangs bezuschusst das Land NRW zwei Personalstellen; seitens des Kreises wird eine Pauschale pro Bettenplatz bezahlt. Regelmäßig führen Vereinsmitglieder und Mitarbeiterinnen Haustürsammlungen in Warendorf durch. Nach langen und teils heftig geführten Diskussionen um eine Bezuschussung des Frauenhauses einigt man sich im Jahr 1988 mit dem Kreis.

 

Es wird ein Vertrag über zwölf Jahre geschlossen, indem sich der Kreis zu einer freiwilligen Zahlung von jährlich 70.000 DM bereit erklärt.

[XI/1; KAW, S 1/50 NL Annette Schücking-Homeyer]

„Frauenhaus platzt aus allen Nähten“

Im April 1980 wird von dem Verein „Frauen helfen Frauen“ eine kleine Wohnung in Warendorf als Zufluchtsstätte für gewaltbetroffene Frauen angemietet. Schnell stellt sich die Unterkunft als zu klein heraus. Um ein größeres Wohnobjekt zu stellen, ist der Verein auf finanzielle Spenden und Hilfen angewiesen.

[XI/2; Neuer Emsbote 12.01.1981]

Drogenberatungsstelle

[XI/6; KAW, Bibliothek, Va 193]

Jugend und Drogenberatung wird vom Kreis unterstützt

[XI/7; WN 10.05.1980]

Der ansteigende Drogenkonsum im Kreis Warendorf führt zur Gründung des Arbeitskreises „Jugend- und Drogenberatung e.V.“. In Ahlen wird im Oktober 1980 die Drogenberatungsstelle eröffnet an deren Finanzierung sich der Kreis beteiligt. Durch den Anstieg des Drogenkonsums nimmt auch die Beschaffungskriminalität stark zu, wobei Ahlen am stärksten betroffen ist: Die Stadt verzeichnet einen Anstieg von 19 auf 387 Fälle.

„Zoff dem Stoff“

[XI/8; KAW, S 9 Nr. 4425] Plakat des LKAs und der Kreispolizeibehörde Warendorf

Kinderbetreuung

[XI/5; KAW, S 05 Liesborn Nr. 316]
[XI/4; Chronik Kindergarten St. Nikolaus Diestedde, S. 7]

1986 und 1987 erfüllt der Kreis zwar mit einer Betreuungsquote von 75 % die gesetzlichen Vorgaben des Landes, mit Blick auf das Kreisgebiet sind aber erhebliche Schwankungen zu erkennen: Während in Sünninghausen ein Überangebot von 135 % herrscht, erreichen Wadersloh und Drensteinfurt nur eine Quote von 50 %.

 

Noch immer werden vorwiegend 4-6 jährige Kinder von den Kindergärten angenommen. Fast alle dreijährigen Kinder bleiben bei der Platzvergabe außen vor.