Springe zum Inhalt Springe zur Suche Springe zur Startseite

Vor 777 Jahren: Der Bischof von Münster überlässt den Beckumer Bürgern einen Teil seines Besitzes / Kreisarchiv präsentiert Wiedervorlage 5/2015

Bischof Ludolf von Münster überlässt am 1. November 1238 die Äcker seines Hofes in Beckum den dortigen Bürgern gegen die jährliche Zahlung eines festgelegten Betrages zur eigenen Bewirtschaftung. (Kreisarchiv Warendorf, Stadt Beckum U 1)

In der aktuellen Folge der Serie „Wiedervorlage“ präsentiert das Kreisarchiv ein Dokument, das vor genau 777 Jahren entstanden ist. In der Urkunde aus dem Jahr 1238 überlässt der Bischof von Münster den Beckumer Bürgern einen Teil seines Besitzes gegen eine jährliche Zahlung. Im Kreisarchiv wird das Dokument auch als „Stadt Beckum U 1“ bezeichnet – denn es handelt sich um die erste Urkunde aus Beckum und sogar um das älteste Dokument im gesamten Kreisarchiv. Ausgestellt wurde die Urkunde am 1. November 1238.


Urkunden gehören zu den wichtigsten und ältesten Quellengruppen, die das Kreisarchiv Warendorf beherbergt. Sie finden sich in großer Zahl in den Beständen der Städte und Gemeinden des Kreises. Ihre Aussteller sind überwiegend geistliche und weltliche Herrschaftsträger, wie Bischöfe, Grafen oder Städte. Eine Urkunde stellt den Abschluss eines Rechtsgeschäfts dar. Sie war vor allem im Mittelalter ein wichtiges Mittel der Rechtssicherung. Die Mehrzahl der Urkunden bezieht sich auf die Veränderungen im Grundbesitz und der dazugehörigen Rechte und Abgaben. Bis in das 15. Jahrhundert hinein wurden Urkunden auf Pergament geschrieben. Erst danach setzt sich das günstigere Papier als Beschreibstoff durch.


Doch zurück zur „Stadt Beckum U 1“: In der auf Latein verfassten Urkunde verzichtet Ludolf von Holte, seit 1226 Bischof von Münster, als Landesherr gegen die Zahlung eines jährlich zu entrichtenden Betrages auf die eigenständige Bewirtschaftung seiner Güter und seiner Mühle in Beckum sowie auf seinen Rechtsanspruch, in Beckum Gericht halten zu dürfen.


Die Beckumer Bürger wurden damit endgültig aus der bischöflichen Verwaltung entlassen. Sie konnten fortan ihre Gemeindeangelegenheiten selbständiger und freier gestalten. In Zukunft traten sie selbstbewusster nach außen. Als Zeugen dieses Vertrages werden sieben geistliche Würdenträger und siebzehn Laien genannt, für die angenommen werden darf, dass sie dem Rechtsakt beigewohnt haben.

 

Beglaubigt ist die Urkunde mit dem Siegel des Ausstellers, das die für geistliche Siegelführer typische spitzovale Form hat und an rot-gelben Seidenfäden (in Leinen eingenäht) angehängt worden ist. Das Siegel ist leider zerstört, würde aber in einer idealisierten Darstellung das Selbstbildnis des Siegelführers, Bischof Ludolf von Holte zu Münster, zeigen.

 

Hintergrund: Serie „Wiedervorlage“

Mit der Serie „Wiedervorlage“ möchte das Kreisarchiv Sie mit historischen Dokumenten aus seinen Beständen bekannt machen. In regelmäßigen Abständen präsentieren wir Ihnen Unbekanntes, Merkwürdiges, Schönes oder Nachdenkliches aus unseren Beständen. Damit öffnen wir Ihnen ein Fenster, durch das Sie einen kleinen Einblick in die reichen Bestände des Endarchivs gewinnen können. Zu sehen sind die Ausstellungen mit Originalen aus dem Kreisarchiv in der Vitrine im Foyer des Kreishauses und im Flur vor dem Lesesaal des Kreisarchivs. "Falls wir Ihr besonderes Interesse geweckt haben, zeigen wir Ihnen gerne mehr in unseren Räumen. Dazu laden wir Sie herzlich ein!", so die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreisarchivs.