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Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben: Sprache als Schlüssel zur Bildung

Über ihre ersten Erfahrungen mit dem Förderunterricht berichteten Schüler der Clemens-Hauptschule Telgte im Rahmen einer Pressekonferenz.
Erläuterten das Projekt, v.l.n.r: Prof. Dr. Klaus-Michael Köpcke vom Germanistischen Institut der Universität Münster, Landrat Dr. Olaf Gericke, Wolfgang Pieper, Bürgermeister der Stadt Telgte, Tanja Helmig von der Stiftung Mercator und Hubert Kneilmann-Uekötter, Leiter der Clemens-Hauptschule Telgte.

- Förderunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund / Projekt der Stiftung Mercator wird erstmals in einem Flächenkreis umgesetzt -

Viele Kinder im Kreis Warendorf, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, erhalten im Vor- und Grundschulalter eine sprachliche Förderung. Doch auch an weiterführenden Schulen ist oft eine Unterstützung erforderlich. Denn der Fachunterricht setzt die Kenntnis von besonderen Ausdrücken voraus. Deshalb arbeiten im Kreis Warendorf jetzt Studierende der Universität Münster Hand in Hand mit Schulen. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Mercator. In Kleingruppen erteilen die Lehramts- und Germanistikstudenten Förderunterricht. Damit wird jetzt erstmals das in Ballungszentren erfolgreich eingeführte Konzept in einem deutschen Flächenkreis erprobt.

 

"Wir freuen uns, dass wir dank der großzügigen Unterstützung der Stiftung Mercator die  Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund um einen zentralen Baustein erweitern konnten. Die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist für uns im Kreis ein Schwerpunktthema", erläuterte Landrat Dr. Olaf Gericke. "Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und damit das A und O für das Gelingen der Integration", so der Landrat. Bei einer Pressekonferenz stellte Dr. Gericke zusammen mit den verschiedenen Beteiligten das Projekt in der Clemensschule in Telgte vor. Die Hauptschule ist eine von vier Schulen im Kreis, an denen Förderunterricht erteilt wird.

Bericht von wm.tv:

Zahlreiche Beteiligte ziehen beim Förderunterricht an einem Strang.
Vertreter aller Projektpartner nahmen an der Pressekonferenz teil.
Auch die Förderlehrer standen den Medienvertretern Rede und Antwort - hier Gero Gehrke im Gespräch mit Judith Barthen vom Fernsehsender wmtv.
Die Stiftung Mercator unterstützt das Projekt.

Unter dem Motto "Einander kennen lernen" hat der Kreis Warendorf 2008 einen umfangreichen Integrations-Planungsprozess eingeleitet und ein Konzept mit konkreten Maßnahmen erstellt. Zentrale Handlungsfelder sind die Bereiche Sprache und Bildung.

 

Das Projekt "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" der Stiftung Mercator wird seit dem Jahr 2004 an 35 bundesweiten Standorten der Sekundarstufe I (Klasse 5 – 10) erfolgreich umgesetzt. Es bietet Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusätzlich zum regulären Schulunterricht individuelle sprachliche und fachliche Förderung durch Lehramtsstudierende. Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben: Die Förderung der Sprachkompetenz erfolgt in allen vier Fertigkeiten. Eine große Rolle spielt auch der Blick auf fachsprachliche Anforderungen. Für den Förderunterricht werden Kleingruppen von max. 6 Schülerinnen und Schülern gebildet, die 4 Stunden Förderunterricht pro Woche erhalten.

 

Wirkungsmessung

Die Stiftung Mercator hat das Projekt von 2006 bis 2008 vom europäischen forum für migrationsstudien (efms) wissenschaftlich begleiten lassen. Dabei zeigte sich, dass sich die Leistungen der Förderschüler bereits nach kurzer Förderdauer erhöhen. Etwa zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler verbessern ihre Noten in den Fächern Mathematik und Englisch, im Fach Deutsch sind es sogar drei Viertel der Teilnehmer.

 

Konkrete Umsetzung im Kreis Warendorf

Der Kreis Warendorf ist ein assoziierter Standort, der das Modell “Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“ der Stiftung Mercator erstmalig in einem Flächenkreis erprobt.

 

Der Startschuss fiel in zwei Fördergruppen der Clemensschule Telgte im Mai 2010. Im September sind zwei weitere Fördergruppen in dieser Schule eingerichtet worden. Die Kardinal von Galen Realschule Telgte, die Von Galen Realschule Warendorf und die Hauptschule Hinter den drei Brücken (Warendorf) sind ebenfalls im September mit zwei bzw. drei Fördergruppen gestartet.

 

Insgesamt werden 65 Schülerinnen und Schüler von 13 Lehramtstudentinnen und Studenten in 11 Fördergruppen von Klasse 5 bis 9 erreicht. Die Projektverantwortung und Koordination liegt beim Regionalen Bildungsbüro des Kreises Warendorf. Der Förderunterricht ist für die Schüler kostenfrei.

 

Kooperation mit der Universität Münster

Neben der Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch eine intensive sprachliche und fachliche Förderung dient das Projekt auch der praxisnahen Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer, die im Bereich "Deutsch als Zweitsprache" durch das Germanistische Institut der Universität Münster geschult werden. Die Studierenden haben an einem Vorbereitungsseminar teilgenommen, das sie ein Semester lang didaktisch und methodisch auf den Förderunterricht vorbereitet hat. Die Betreuung vor Ort übernimmt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts.

 

Das Projekt wird von der Universität Münster evaluiert. Diagnosen zu Beginn und nach Abschluss des Unterrichts sollen dazu beitragen, die Förderung individuell auszurichten und ihre Wirkung zu messen. Zudem werden Interviews mit Lehrern geführt sowie Lernprozesse und die Selbsteinschätzung der Förderschüler dokumentiert.

 

Der Kreis Warendorf und die Uni Münster erhalten für das Projekt bis 2013 insgesamt 178.000 € von der Stiftung Mercator. Der Kreis Warendorf übernimmt Eigenmittel von 80.000 €.

 

Info-Kasten: Die Stiftung Mercator

Die Stiftung Mercator gehört zu den großen deutschen Stiftungen. Sie initiiert und unterstützt unter anderem Projekte für bessere Bildungsmöglichkeiten an Schulen und Hochschulen. Das seit 2004 bestehende Projekt bietet Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund individuelle sprachliche und fachliche Förderung durch Lehramtsstudierende. Bundesweit finanziert die Stiftung Mercator den Förderunterricht mit zehn Millionen Euro an derzeit 28 Standorten.