Springe zum Inhalt Springe zur Suche Springe zur Startseite

Der Kreis Warendorf nimmt als erster Kreis in Deutschland am Europäischen Energiewettbewerb teil

Bernhard Gröpper (Energiebeauftragter des Kreises), Klaus-Werner Heger (SPD-Kreistagsfraktion), Reiner Tippkötter (Infas Enermetric), Landrat Dr. Olaf Gericke, Jochem Pferdehirt (Energieagentur NRW), Udo Schmermer (B.& S.U. Berlin), Eckehard Müller (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) , Karl-Wilhelm Hild (CDU-Fraktionsvorsitzender) und Kreiskämmerer Dr. Stefan Funke (v.l.n.r.)

Der Förderbescheid ist da - die Teilnahmeurkunde hat Landrat Dr. Olaf Gericke in Empfang genommen. Als erster Kreis in Deutschland steht der Kreis Warendorf jetzt als Teilnehmer am European Energy Award (EEA) fest. Die Auftaktveranstaltung zum EEA fand am Mittwoch im Warendorfer Kreishaus statt. "Den Zeitpunkt hätten wir gar nicht günstiger wählen können", sagte Landrat Dr. Olaf Gericke mit Blick auf den dramatischen Anstieg bei den Energiepreisen. Er erinnerte daran, dass der Kreis längst nicht bei Null anfange, sondern seit 1992 den Ausstoß von CO2 um 50 Prozent reduziert habe.


Die Ermittlung des Ist-Zustandes steht am Anfang des EEA-Prozesses: Wo wird Energie gespart, wo kommen erneuerbare Energieträger zum Einsatz? Wie steht es um den öffentlichen Personennahverkehr und ums Radwegenetz? Diese und weitere Fragen werden dabei beantwortet. In den nächsten 12 bis 14 Monaten soll die Bewertung durch einen externen Auditor und die Zertifizierung erfolgen. Die Aufstellung eines Maßnahmenkataloges gehört ebenfalls dazu.


Im Rahmen eines vom Land NRW finanziell geförderten Pilotprojektes, an dem bundesweit maximal acht Kreise teilnehmen können, geht es jetzt für den Kreis Warendorf und die mit der Prozessberatung beauftragte Gesellschaft B.&.S.U (Berlin) darum, den bestehenden Maßnahmenkatalog für Städte und Gemeinden  auf die Möglichkeiten von Landkreisen anzupassen. Denn bislang haben nur Kommunen am EEA teilgenommen. Da der Kreis andere Zuständigkeiten und Möglichkeiten hat, beschäftigt sich das Energieteam der Kreisverwaltung jetzt damit.

 

 

Hier die Rede des Landrates bei der Auftaktveranstaltung:

 

Sehr geehrter Herr Schmermer (von der Beratungs- und Servicegesellschaft Umwelt, B.&S.U., Berlin),  

sehr geehrter Herr Tippkötter (von der Firma Infas Enermetiric Emsdetten)

sehr geehrter Herr Pferdehirt (von der Energieagentur Wuppertal)

sehr geehrte Vertreter (Vorsitzende) der Fraktionen im Kreistag,

sehr geehrte Mitglieder des Energieteams bei uns in der Kreisverwaltung,

 

Ich begrüße Sie herzlich zur Auftaktveranstaltung zum European Energy Award (kurz EEA).

 

Warum wir das Thema Energiesparen noch größer schreiben wollen, muss man heute wohl niemanden mehr erklären.

 

Über Klimaerwärmung, explodierende Öl-, Strom- und Gaspreise wird jeden Tag in den Medien berichtet.

 

Ich lese Ihnen mal einige Schlagzeilen der letzten Tage vor:

-         "Ölpreis seit 2004 fast verdreifacht",

-         "Wird Heizen im Altbau zum Luxus?",

-         "Die Welt giert nach Öl" oder

-         "Kommt der Sozialtarif für Gas, Öl und Strom?".

 

Wir selber merken an den Tankstellen und bei Heiz- und Stromrechnungen: die Preisspirale dreht sich scheinbar unaufhörlich weiter.

Wer vor drei Jahren die heutigen Diesel-, Benzin oder Erdgaspreise vorausgesagt hätte, wäre sicher als fürchterlicher Pessimist bezeichnet worden.

 

Der Klimaschutz hat also einen Verbündeten bekommen: das Kostenbewusstsein.

Zum Energiesparen, zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, zur Nutzung regenerativer Energien und zur verbesserten Wärmedämmung von Gebäuden gibt es für uns keine sinnvolle Alternative.

 

Und was für Otto-Normal-Verbraucher gilt, das muss für uns als öffentliche Verwaltung und Dienstleister für die Bürger erst Recht gelten.

Denn erstens haben wir eine besondere Verantwortung, das Geld der Bürger nicht teuer zu verheizen. Und zweitens können wir durch unsere gute Praxis ein Vorbild  sein.  

 

Die natürlichen Ressourcen an fossilen Brennstoffen sind nicht unendlich verfügbar. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch weltweit drastisch an – Gründe dafür sind zunehmende Industrialisierung und Bevölkerungswachstum. Zudem stellt sich die Frage: Wie dämmen wir die Klimaerwärmung ein?

 

Dies alles sind globale Fragen. Der Kreis Warendorf ist um lokale Antworten bemüht. Und dies nicht erst seit heute.

 

Ein sichtbares Zeichen unserer Anstrengungen sind die Energieberichte des Kreises Warendorf.  Die erste Auflage erschien 1998. Vor kurzem - im März 2008 - ist die fünfte Auflage erschienen.

 

Unser Handlungsspielraum auf der Angebotsseite – also bei der  Suche nach Energiequellen - ist begrenzt.

 

Öl- und Gasfelder werden wir im Kreis Warendorf nicht finden.  

 

Daher hat der Kreis  bereits in der Vergangenheit versucht, sich innovative, regenerative Energien nutzbar zu machen.

 

Im Energiebericht ist es nachzulesen: Unser Motto lautet: Vorrang für regenerative Energien.

 

So haben wir in diesem Bereich bislang zum Beispiel folgende Projekte in Schulen und anderen Kreis-Gebäuden realisiert: 

 

Ø     thermische Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung

Ø     Fotovoltaikanlagen auf Dächern

Ø     Einen Nahwärmeanschluss an ein Biomasseheizwerk

Ø     eine Holzpellet-Heizkesselanlage

Ø     ein Holzhackschnitzel-Heizwerk

Ø     Nutzung von Erdwärme

 

Weiter ist unserem Energiebericht zu entnehmen, dass der Kreis Warendorf beachtliche Erfolge auf der Nachfrageseite erzielt hat. Nämlich durch das Vorantreiben von Energieeinsparung und Energieeffizienz. 

 

Dies wird insbesondere durch unser Gebäudemanagement deutlich, wo wir immer wieder für Verbesserungen sorgen.

Besonders groß ist das Sparpotential durch die geplante Fassadensanierung an einem Berufskolleg in Beckum sein. Sechs Millionen Euro wird der Kreis bis 2010 dort investieren.

 

Unsere Anstrengungen haben schon jetzt zu erfreulichen Ergebnissen geführt.

 

Zum einen ist es uns gelungen, seit 1992 den CO2-Ausstoß von Gebäuden des Kreises um 50 % zu halbieren.

 

Zum zweiten sind unsere Kosten für Energie stabil geblieben, und dies trotz des deutlichen Preisanstieges in den vergangenen Jahren.

 

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

eingangs habe ich gesagt, auf das globale Energieproblem müssen lokale Antworten her. Diese wollen wir unter anderem durch unsere Teilnahme am European Energie Award finden - und zwar in zweifacher Sicht:


1. um auf unseren bisherigen Maßnahmen aufzubauen, sie zu verbessern, und neue Maßnahmen zu entwickeln.

Dafür wollen wir uns professioneller Kompetenz von außen bedienen.

An dieser Stelle möchte ich insbesondere Herrn Schmermer nennen. Er wird als Vertreter der Beratungs- und Servicegesellschaft Umwelt (Berlin, kurz B.&S.U.) unser Projekt im ersten Jahr begleiten.

 

Ab dem zweiten Jahr wird uns Herr Tippkötter von der Firma Infas-Enermetric in Emsdetten behilflich sein. Er hat in Sachen EEA Erfahrung und wohnt zudem im Kreis Warendorf. Sie werden das Energieteam, das sich gleich zu seiner ersten Sitzung trifft, begleiten.

 

2. Weiteren Nutzen versprechen wir uns – ich bin da ganz ehrlich – durch eine gesteigerte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Energiestrategie des Kreises wird umso erfolgreicher sein, je mehr Menschen wir mitnehmen.

Der Kreis Warendorf – ich sage es mit Stolz – ist der erste Kreis in Deutschland, der am EEA teilnimmt.

Bislang konnten sich nur Städte und Gemeinden beteiligen, nun haben wir im Zuge eines Pilotprojektes die Chance, eine Vorreiterrolle für die Kreise einzunehmen.

Damit erhoffen wir uns die Aufmerksamkeit, die erforderlich ist, um auch außerhalb der Verantwortung des Kreises weitere Projekte anzuschieben.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

unsere heutige Veranstaltung nennen wir Kick-off - also Anstoß. Wir wollen mit der Teilnahme an diesem europäischen Wettbewerb noch während der Fußball-EM weitere Anstöße geben.

Dabei soll der Ball nicht nur in unserem Spielfeld bleiben, sondern auch anderen Akteuren zugespielt werden.

Denn wir wollen bei den Themen Klimaschutz und Energiesparen im Kreis nicht auf Zeit spielen, sondern in die Offensive gehen.

 

Meine Damen und Herren,

 

in der heutigen Zeit sollte eigentlich jeder ein Energieexperte sein.

Deshalb bin ich froh, dass im neu gebildeten Energieteam der Kreisverwaltung Sachverstand aus vielen Bereichen zusammentrifft.

Energie ist eine Querschnittsmaterie.

Die Arbeit für den EEA sprengt die Grenzen der Ämter und Fachbereiche (Dezernate) hier im Haus.

Gesteuert wird die Arbeit des zehnköpfigen Teams durch eine interne Lenkungsgruppe mit Kämmerer Dr. Stefan Funke, Bau- und Umweltdezernent Friedrich Gnerlich und dem Energiebeauftragten der Kreisverwaltung, Bernhard Gröpper, der auch das Energieteam leitet.

 

Das Energieteam nimmt gleich im Anschluss seine Arbeit für den European Energy Award auf.

Unterstützt wird es heute und in der Folgezeit von den eben erwähnten externen Mitgliedern, Herrn Schmermer und Tippkötter. Dem ganzen Team wünsche ich – ganz eigennützig – genau so viel Erfolg wie ihn bislang die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft hatte.

Teamgeist ist auch in Sachen Energiesparen und Klimaschutz der beste Erfolgsgarant.

 

Details zum European Energy Award wird ihnen Herr Schmermer jetzt erläutern, bevor sich das Energieteam zur ersten Sitzung in Raum 3.68 (dritte Etage) trifft.

 

Allen Beteiligten danke ich jetzt schon fürs Mitmachen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Arbeit, damit wir unsere Ziele erreichen:

-         die nötige Punktzahl für den European Energy Award,

-         den Umweltschutz vorantreiben und

-         den Kreishaushalt entlasten.