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"Neue Angebote zusammen mit Zuwanderern entwickeln"

Wie es nach der Fragebogenaktion mit dem Integrationsprozess weitergeht, erzählt Verena Schulte-Sienbeck im Interview. Sie kümmert sich beim Kreis Warendorf um das Thema.

- Interview mit Verena Schulte-Sienbeck / Kreis bereitet Integrationskonferenz vor / Fragebogenaktion -

 

Im Kreis Warendorf leben etwa 50.000 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Doch wie gehen Migranten und Alteingesessene mit der Situation um? Wie kann der Kreis Parallelgesellschaften verhindern und den Integrationsprozess positiv beeinflussen? Der Kreis Warendorf beschäftigt sich intensiv mit diesen Fragen. Für die Integration, ein Schwerpunktthema des Kreises in den kommenden Jahren, ist eine zusätzliche Stelle im Sozialamt geschaffen worden. Verena Schulte-Sienbeck hat im August diese neue Aufgabe übernommen. Sie führt zurzeit eine Bestandsaufnahme durch. Denn der Kreis will mehr darüber erfahren, wie die Lebenswelten der Menschen mit Migrationshintergrund aussehen. Teil eins ist die Befragung von freien Trägern und Migrantenselbstorganisationen. Mitte August hat der Kreis mehr als 100 Fragebögen verschickt. In den letzten Wochen haben darüber hinaus vertiefende Interviews mit Vertretern von 16 Freien Trägern und Migrantenselbstorganisationen stattgefunden. Über erste Ergebnisse und den Integrationsprozess im Kreis äußerte sich Verena Schulte-Sienbeck in einem Interview. 

 

Frage: Frau Schulte-Sienbeck, was bezwecken Sie mit der Fragebogenaktion?

Verena Schulte-Sienbeck: Ziel ist es, einen Überblick über die Trägerlandschaft zu bekommen, um Angebotslücken zu erkennen und langfristig eine noch bessere Vernetzung zu erreichen. Die Institutionen wurden nach ihren Konzepten und der Wirksamkeit ihrer Maßnahmen befragt. Wir wollen auch in Erfahrung bringen, welche Schwerpunkte der Kreis aus Sicht der Institutionen zukünftig bei der Gestaltung der Integrationsarbeit setzen sollte.

 

Frage: Wie war die Resonanz?

Schulte-Sienbeck: Der Fragebogenrücklauf betrug ungefähr 50 %. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal für das hohe Engagement der vielfach ehrenamtlich Tätigen.

 

Frage: Welche Hinweise haben Sie bekommen?               

Schulte-Sienbeck: Der überwiegende Teil der Träger bietet Beratungsangebote für Frauen und Familien an. Das Thema Bildung und Ausbildung wird von den Trägern der Integrationsarbeit als wichtigstes Thema für die Zukunft genannt. Bei der Gestaltung der Integrationsarbeit wird die Priorität auf die Einbindung von Migranten gelegt. Sehr gefreut hat mich vor allem das große Interesse der einzelnen Träger an einer kreisweiten Zusammenarbeit und Vernetzung. Die Auswertung der Fragebogenaktion wird bis Mitte November vorliegen und natürlich auch allen Beteiligten zugänglich gemacht.

 

Frage: Worum ging es in den Interviews?

Schulte-Sienbeck: In den Interviews standen drei Themenbereiche im Vordergrund: 1. das Verständnis von Integration, 2. die bestehenden Netzwerke der Integrationsarbeit und 3. Themen und Anregungen für das Integrationsprojekt des Kreises Warendorf. 

Frage: Was  haben Sie in den Interviews erfahren?

Schulte-Sienbeck: Integration ist für alle Akteure kein neues Thema. Integriert zu sein bedeutet für den überwiegenden Teil der Gesprächspartner, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Nicht erfolgreich verlaufende Integrationsarbeit wird insbesondere auf mangelnde Kenntnisse kultureller Besonderheiten zurückgeführt. Es existiert eine Vielzahl an kleinen Netzwerken, die sehr gut funktionieren. Durch "Runde Tische" etc. werden Kontakte gepflegt. Das Netzwerk im Kreis Warendorf lebt sehr stark vom ehrenamtlichen Engagement. Die religiös verankerten Migrantenvereinen zeichnen sich durch eine hohe Gruppenzugehörigkeit aus. Hier steht die Pflege der eigenen Kultur im Vordergrund.

 

Frage: Was ist der nächste Schritt, den Sie beim Integrationsbericht angehen?

Schulte-Sienbeck: Bis zum Jahresende finden Gespräche mit Gruppen von Zuwanderern statt. Wir wollen Meinungen, Einstellungen und Erwartungen an das Integrationsprojekt erfragen. Zurzeit werden außerdem umfangreiche Datenrecherchen durchgeführt, um Anhaltspunkte für migrationsspezifische Problemlagen und Chancen zu erhalten. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme werden Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Frage: Wie geht es 2009 weiter?

Schulte-Sienbeck: Am 10. März  wollen wir zur ersten kreisweiten Integrationskonferenz auf Haus Nottbeck einladen. Anschließend werden In allen Städten und Gemeinden Integrationsforen stattfinden. Hier wird es darum gehen, die Bevölkerung umfassend zu beteiligen und zur Mitwirkung zu motivieren. Dabei sollen Aufgaben nicht doppelt wahrgenommen werden. Wir wollen durch eine umfangreiche Bestandsaufnahme Transparenz schaffen und durch die thematische Arbeit in Planungsgruppen im nächsten Jahr Impulse für die Weiterentwicklung der Integrationsarbeit geben. Die Gruppen werden sich mit Themenbereichen wie Arbeit, Bildung und Sprache befassen und konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln.